ER009 Intersektionalität

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Erklärbär-Podcast zu einem Wort, das man immer öfters hört und von dem trotzdem wohl viele nicht genau wissen, was das eigentlich bedeutet. Klingt schwer – aber Stefan hat die Gabe, dieses Thema auf eine Art zu erläutern, der man nur zu gerne zuhört und lernt.

Stefan ist Behindertenpädagoge und dort auch mit dem Ansatz in Berührung gekommen. Wir sprechen über viele Facetten der Intersektionalität und der Diskriminierung: Geschlecht, Rasse, sozio-ökonomischer Hintergrund und Behinderung – und finden heraus, dass sie alle ähnlich funktionieren. Sie alle gründen auf einer Art des Biologismus, also eines Ansatzes, der die Diskriminierung damit rechtfertigen will, dass die Unterschiede und Benachteiligungen aufgrund der Unterschiede, in der Natur begründet seien. Stefan erzählt bei der Gelegenheit von seiner Unfähigkeit, Kaugummiblasen zu machen und Katrin stellt fest, dass sie in einer besseren Welt Ärztin hätte werden können. Außerdem denken wir über die Benennung und Begriffwahl nach, die stattfindet wenn man versucht, über Diskriminierungen zu sprechen. Was kann man mit Sprache wirklich ändern?

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Music: SaReGaMa – Lucky Number 7 saregama-music.blogspot.com

Links und Hintergründe

8 Kommentare

  1. Das für mich sinnigere Argument dafür, Sprache bewusst zu verändern, ist die Überlegung, dass die Sprache unser Denken strukturiert und beeinflusst. Ob ich also das N Wort benutze oder von Menschen mit dunkler Hautfarbe spreche, kann einen Einfluss darauf haben, welche Assoziationen aufgerufen werden etc. Ich bleibe aber wie ihr bei der Umsetzung skeptisch, in wie weit das aktuell hilfreich ist. Einerseits habe ich das Gefühl, dass der Hintergrund WARUM man bestimmte Wordings ändert nicht bei den Menschen ankommt, und sie es einfach simultan benutzen. Krasses Beispiel war für mich Hannelore Kraft, die die Paralympics als gelungenes Beispiels für Inklusion lobte, wobei ein Sonderevent für Menschen mit Behinderungen nach meiner Auffassung mal überhaupt nichts mit Inklusion zu tun hat – Ich vermute dass man ihr einfach erklärt hat, heute spreche man nicht mehr von Integration sondern von Inklusion.
    Das andere Problem ist die Vehemenz, mit der teilweise auf bewusste Sprache gedrängt wird, vor allen Dingen wenn ich feministische Diskurse bzw Diskursteilnehmer auf Twitter beobachte. Mein erster Versuch, mich als unsicherer Nutzer in einen feministischen Diskurs einzubringen, wurde schlicht vernichtend weggebügelt, sodass ich mich nicht mehr zu äussern wagte. Das nimmt der Debatte nach meiner Vermutung bei vielen Leuten die Legitimität, obwohl sie so wichtig ist. Bei vielen anderen, besonders denen die nicht unsicher ist, meine ich eine Abwehrreaktion zu erkennen, die jetzt erst recht dagegenstänkern und ausfallend werden. Dann fallen auch mal Begriffe wie “Sprachnazi” oder ähnliches. Ich finde, das hat Anatol stefanowitsch bei seinem Re:Publica Talk sehr schön herausgearbeitet.
    Ich würde sogar die mutige These aufstellen, dass die regelmäßigen unqualifizierten Beiträge von Fefe zu Genderthemen genau daraus resultieren, dass ihm niemand die soziologischen Grundlagen und Überlegungen sachlich und ruhig dargelegt hat, sondern immer direkt mit der Keule draufgeschlagen hat. Mal abgesehen davon, dass er schlicht ein riesiger Troll ist und gerne provoziert.
    Abschließend: Ich möchte da gerne noch die neue wrintheit mit der bezaubernden Alexandra Tobor herausheben (die ich hiermit als Gesprächspartnerin DEZENT empfehlen möchte), wo deutlich wird, dass beispielsweise ein Holgi, der in vorgefertigter Meinung immer ein böser Antifeminist ist, dort sehr differenzierte Ansichten hat, aber schlicht von dem virtuellen gepöbel tierisch genervt ist.

    Das mein Sermon zu dieser Folge, die ich wie immer großartig und sehr informativ fand, weil ich mit dem Begriff Intersektionalität noch nie in Berührung gekommen bin, obwohl ich mich schon lange mit den von euch beschriebenen Diskriminierungspraktiken auseinandersetze. Mach weiter so! :)

    • Lieber David,

      vielen Dank für deinen ausführlichen Kommentar. Wenn du schon von re:publica-Vorträgen sprichst (danke für den Hinweis, dann schau ich mir den von Anatol mal an), dann passt dazu sicher auch der von Teresa Bücker.

      Die Wrintheit ist tatsächlich ein sehr empfehlenswerter Podcast – und Alexandra war schon einmal Gast bei mir – allerdings für die Wostkinder.

      ganz liebe Grüße,
      Katrin

  2. Was technisches:
    Die Ogg-Datei ist offenbar defekt. Sie bricht bei etwa 50 Minuten ab, an der Stelle, wo Du über die Frau mit der Hirnverletzung berichtest

  3. Wow, ich habe Erscheinungsraum bisher noch nicht gekannt und bin mit entsprechendem Interesse an der heutigen Gesellschaft und Diskriminierungen, eben einem breiten sozialem Interessenfeld an diesen Podcast herangegangen. Und nach zwei Stunden muss ich sagen: Hier habe ich meine Zeit mehr als sinnvoll verbracht! Den Begriff “Intersektionalität” habe ich zuvor nur am Rande gehört und konnte mir dementsprechend kein Bild machen, vielleicht auch weil ich mich bisher nicht intensiv damit auseinadner gesetzt habe, eben eine gewisse Barriere aufgrund des akademischen Tonfalls vorhanden war. Jetzt habe ich aber dank der nahezu perfekten Erklärung das Gefühl, die Bedeutung hinter dem Begriff fassen zu können. Danke dafür! Und auch abseits der Erklärung von Intersektionalität bietet dieser Podcast viel Gehalt mit interessanten Ansätzen und Verbesserungsvorschlägen. Hoffentlich werden hier noch weitere Podcasts dieser Machart erscheinen! Ich werde jetzt, nachdem ich diese Website erst einmal entdeckt habe, alle anderen Podcasts durchhören. ;-)

  4. Fast jede gute Idee steht in der Gefahr zu einer schlechten zu werden, wenn sie zum Dogma erhoben wird. Ich glaube, dass wir in einer Zeit leben, in der Formulierungen und Sprache (zumal von akademisch geprägten Menschen) deutlich überschätzt werden. Im Übrigen halte ich Intersektionalität für ein deutlich weiter gefasstes Thema.

    Wie auch immer. Vielleicht bin ich einfach durch dogmatische, rigide auftretende Feministinnen in meiner Reaktion auf Themen selber stereotyp geworden. Ich muss mir das erst einmal genauer durchdenken.

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